H2-Well – Vision regionale Wasserstoffwirtschaft

Die Initiative H2-Well

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Forschungsprogramm WIR! – Wandel durch Innovation in der Region (Link zum Beitrag) 20 Initiativen ausgewählt, die ostdeutschen Regionen im strukturellen Wandel neue Perspektiven eröffnen wollen. Eine dieser Initiativen ist die „Wasserstoffquell‐ und Wertschöpfungsregion Main‐Elbe-LINK“, kurz H2-Well. Mit mehr als 40 Partnern und Unterstützern aus der Region zwischen Main und Elbe wollen wir den Strukturwandel vorantreiben und mit Wasserstofftechnologien neue Wertschöpfungs- möglichkeiten generieren. Wir begreifen Strukturwandel als Chance zur Innovation.

Wasserstoff – Grundlage für die kombinierte Energie- und Mobilitätswende

„Das Wasser ist die Kohle der Zukunft“, so schrieb es Jules Verne bereits 1875. Diese Zukunft steht jetzt unmittelbar vor ihrer Realisierung, denn Wasserstoff ist der fehlende Baustein für eine umfassende Energie- und Mobilitätswende. Die Infrastrukturbereiche Elektrizitätswirtschaft, Mobilität, Wärmeversorgung und Abwasserbehandlung werden in der Initiative H2-Well über die Wasserstofftechnologie zusammengeführt. Unser Ziel ist es, weltweit erstmalig zwischen Main und Elbe die Wasserstoffwirtschaft in dezentralen Strukturen umzusetzen. Dies umfasst die grüne Wasserstofferzeugung aus lokalen erneuerbaren Energien, die Wasserstoffspeicherung, die Nutzung für Fahrzeugantriebe, die Stabilisierung des Elektrizitätsnetzes mit Wasserstofflösungen sowie Anwendungen zur Gebäudeheizung. Ergänzt wird dies um die Nutzung des bei der Wasserstoff- erzeugung entstehenden Sauerstoffs zum Beispiel für Anwendungen in der Abwasserreinigung. Erfahrbar werden die H2-Well-Wasserstoffprojekte ab 2019/2020 in Demonstrationsvorhaben in Sonneberg und Apolda, die als „Ausgangspunkte“ für die Wasserstoffwirtschaft über die Technologie informieren werden.

Der Main-Elbe-Link – Innovationsregion aus Tradition

Die Region zwischen Main und Elbe ist schon seit dem Mittelalter eine wirtschaftlich starke Region, die über wichtige Handelsstraßen mit dem Rest Europas vernetzt war. Hier sind bedeutende Innovationen entstanden wie die Kolbenvakuumluftpumpe, die Schnelldruckpresse, der Zeigertelegraph oder das Ganzmetallflugzeug. Sie ist eine Keimzelle der deutschen Fahrzeugindustrie, der optischen Industrie und der Porzellanherstellung. H2-Well möchte an diesen Erfindergeist, den Forscherdrang, das Unternehmertum und die Innovationskraft anknüpfen.

Heute wird die Region durch klein‐ und mittelständische Unternehmen geprägt. Darunter sind viele Betriebe, die als Zulieferer für Großunternehmen sowie als Entwicklungsdienstleister oder Produzenten für Nischen‐ und Sonderprodukte agieren und sich durch ihre hohe Flexibilität auszeichnen. Hieraus erwachsen regionalspezifische Chancen für Innovationen und neue Wirtschaftsfelder. Gerade im produzierenden Gewerbe, das für die Wertschöpfung zwischen Main und Elbe von großer Bedeutung ist, sind in den nächsten Jahren durch die Digitalisierung, additive Fertigungstechnologien, neue Werkstoffe, die Energiewende und neue Mobilitätskonzepte große Veränderungen zu erwarten. Rechtzeitig auf neu entstehende Wirtschaftsfelder wie die Wasserstofftechnologie zu setzen, ist daher entscheidend für die Zukunft. Die Initiative H2-Well geht dies an mit dem Anspruch, den Main-Elbe-Link zum Ausgangspunkt der dezentralen, grünen Wasserstoffwirtschaft in Deutschland zu machen.

Regionale Akteure – lokale Wertschöpfungsketten

Vom Strom zu Wasserstoff, Sauerstoff und Wärme

H2-Well setzt auf lokale Wertschöpfungsketten, die neben der nachhaltigen Wasserstofferzeugung und -nutzung auch die Verwendung der Prozesswärme und des bei der Elektrolyse entstehenden Sauerstoffs umfassen. Hierdurch erschließen sich neue Optionen für Anwendungen in der Mobilität, der Elektrizitätswirtschaft, der CO2-intensiven Industrie, der Warmwasser- und Heizwärmebereitstellung, der Abwasserbehandlung, dem Handwerk und dem Gesundheitssektor.

Aus regional erzeugter erneuerbarer Elektrizität hergestellter „grüner“ Wasserstoff bietet die Möglichkeit, emissionsfrei Mobilität für LKW, PKW, Busse und Bahnen mit einem lokal gewonnenen Kraftstoff zu gewährleisten, und das bei kurzen Betankungszeiten sowie ohne Einschränkungen bei der Reichweite. Weiterhin kann mit dem Gas Wasserstoff erneuerbare Elektrizität dezentral zwischengespeichert werden, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder verstromt zu werden. Aber auch bei der Bereitstellung von Wärme in Gebäuden oder aber in der Zementindustrie eröffnen sich mit Wasserstofftechnologien Wertschöpfungsmöglichkeiten. Sogar der bei der Elektrolyse zur Herstellung von grünem Wasserstoff als Nebenprodukt entstehende Sauerstoff kann lokal genutzt werden, zum Beispiel zur Optimierung der Abwasserreinigung, im Gesundheitssektor oder als technisches Gas für Schweißprozesse.

Potenziale der dezentralen Wasserstoffwirtschaft

Die regionalen Voraussetzungen für einen von unten getriebenen Strukturwandel sind günstig, denn mittelständische Unternehmen, hoch spezialisierte Forschungsinstitutionen und flexible kommunale Aufgabenträger bieten ideale Voraussetzungen, um neue Wege zu beschreiten. Außerdem eröffnen sich Möglichkeiten, bestehende Infrastrukturen an die Erfordernisse des demografischen Wandels anzupassen. Damit behalten auch ländliche Gebiete langfristig selbsttragende Strukturen.

Der Aufbau einer dezentralen Wasserstoffwirtschaft bietet beachtliche Potentiale für den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit mit Energie, einen selbstbestimmten Strukturwandel sowie für die Schaffung einer verantwortungsvollen regionalen Wertschöpfung. Wasserstoff ist die Grundlage für den Transformationsprozess in ein postfossiles Zeitalter.

Der Bottom-Up-Ansatz der Initiative H2-Well ist bundesweit einzigartig mit einem Modellcharakter für ganz Deutschland. Es besteht die einmalige Chance, als weltweit erste Region eine vollständige lokale Wertschöpfungskette der Wasserstoffwirtschaft zu schaffen. Durch neue hochqualifizierte Arbeitsplätze sowie Bildungs- und Qualifizierungsangebote mit überregionaler Strahlkraft wird ein nachhaltiger Strukturwandel in einer demographisch benachteiligten Region initiiert. H2-Well schafft die notwendigen Infrastrukturen für die dekarbonisierte Gesellschaft.

Presse und Medien

MDR Thüringen: 17. Mai 2018

Sonneberg: Initiative will Wasserstoff-Energie stärker fördern
In Sonneberg startet eine Initiative zum Ausbau der Wasserstoff-Technologie. Ziel ist, den Wasserstoff im Rahmen der Energiewende für Zukunfts-Technologien nutzbar zu machen.

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MDR aktuell: 17. Mai 2018

H2-Well: Mitteldeutschland wird zur Wasserstoffregion
Liegt die Zukunft der Energiegewinnung im Wasser? Trennt man Wasser in seine Bestandteile entstehen Sauerstoff und Wasserstoff. Und dieser Wasserstoff gilt als Grundlage für so manche Zukunftstechnologie.

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Freies Wort: 18. Mai 2018

Nicht nur reden, sondern Ärmel hoch und anpacken
Mit Vorträgen und Workshops erfolgte am Donnerstag im Schlossberg der offizielle Auftakt der Wir-Initiative H2-Well für die Entwicklung einer Wasserstoff-Region zwischen Main und Elbe.

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Thüringer Allgemeine: 18. Mai 2018

Das Ziel ist klar: Abgasfreie Fahrzeuge ohne Diskussion über Reichweiten oder Tankdauer
Thüringer Wissenschaftler und Firmen beteiligen sich mit Projekt an Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums.

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Tagebuch

h2-well Workshop in Sonneberg diskutierte den Einsatz von Wasserstoff in der Wärmeversorgung

 

Wie die Wärmewende mit Wasserstoff gelingen und welche Maßnahmen dafür in Sonneberg umgesetzt werden könnten, diskutierten bei einem Themenworkshop am 26. Mai 2021 rund zwanzig Vertreter von Sonneberger Unternehmen und Institutionen. Das WIR!-Bündnis h2-well hatte zu der Runde ins Stadtteilzentrum „Wolke 14“ eingeladen.

Bürgermeister Dr. Heiko Voigt betonte in seinem Grußwort an die Workshop-Teilnehmer die zentrale Bedeutung, die die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie in Sonneberg einnimmt. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die lokale Wärmewende. Die Licht- und Kraftwerke Sonneberg (likra) wollen neue Ansätze erproben, um die CO2-Emissionen in der Wärme zu reduzieren. Eine interessante Möglichkeit ist die Nutzung von grünem Wasserstoff, so der likra-Geschäftsführer Michael Bindzettel.

Das jüngst in der Stadt gegründete HySON-Institut für angewandte Wasserstoffforschung ist ein Treiber der H2-Aktivitäten vor Ort. Von Sonneberg ging auch ein wesentlicher Impuls zur Gründung des überregionalen WIR!-Bündnisses h2-well Wasserstoffquell- und Wertschöpfungsregion Main-Elbe-LINK aus. Tabea Link von der Bauhaus-Universität Weimar stellte das Bündnis h2-well vor, das aus Weimar heraus koordiniert wird und an dem neben der Stadt Sonneberg und dem HySON e.V. auch die hiesige Berufsschule und das Unternehmen AVX/KUMATEC Hydrogen aus Neuhaus-Schierschnitz beteiligt sind. Die insgesamt mehr als vierzig Partner in h2-well forschen und arbeiten am Aufbau einer dezentralen Wasserstoffwirtschaft, die zur Struktur- und Energiewende beiträgt.

Im h2-well Vorhaben PEM4Heat wird diese Vision am Beispiel der Wärmeversorgung im Rathaus Sonneberg modellhaft realisiert. Für treibhausgasneutrale Wärme soll sowohl ein innovatives BHKW, ausgestattet mit einem Wasserstoff-Sauerstoff-Kreislaufmotor des WTZ Roßlaus, und die Abwärme eines PEM-Hochdruckelektrolyseurs sorgen. Uwe Eckardt, PEM4Heat Projektleiter bei der AVX/KUMATEC Hydrogen, präsentierte das Projekt, das auch den Anlass für den Workshop lieferte.

Das Wasserstoff bereits in vielfältiger Weise Anwendung in der Wärmeversorgung findet, zeigte Professor Mark Jentsch von der Professur Energiesysteme an der Bauhaus-Universität Weimar. Er stellte bereits in der Praxis erprobte H2-BHKW und Brennstoffzellen-Heizsysteme vor. In Japan werden Brennstoffzellen in vielen Haushalten zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt. Aber auch hierzulande bieten Hersteller Elektrolyseur- und Brennstoffzellensysteme, sogar für die autarke Versorgung von Einfamilienhäusern, an. Viel Potenzial steckt auch in wasserstoffbasierten Nahwärmelösungen für Quartiere, insbesondere wenn der Wasserstoff vor Ort grün erzeugt wird.

Zu diesem Schluss kam auch die anschließende Diskussionsrunde zur Frage, was konkret in Sonneberg unternommen werden könnte. In vielen Gebäuden der Stadt steht die Modernisierung der um das Jahr 1990 installierten Heizungsanlagen bevor. Hier könnte die Integration von Wasserstofflösungen respektive gar die Umstellung der Wärmeversorgung von ganzen Straßenzügen eine interessante Option darstellen. „Innovationen sind Pionierwerke. Noch können keine Wasserstofflösungen per Klick im Netz bestellt werden, aber der Pioniergeist dahin zu kommen, ist in Sonneberg vorhanden. Auch Steve Jobs & Co. haben einmal klein angefangen“, fasst Bürgermeister Dr. Voigt zusammen. Die Teilnehmer des Workshops wollen daher im Gespräch über mögliche gemeinsame Projekte bleiben – die h2-well Netzwerkpartner HySON e.V. und Bauhaus-Universität Weimar stehen zur Unterstützung bereit.

28. Mai 2021 - Wasserstoff mit Wasserkraft aus der Ilm

 

Im Forschungsvorhaben h2well-compact wird die dezentrale Wasserstofferzeugung und -Anwendung in der Mobilität modellhaft erprobt. Grünen Wasserstoff herstellen, mit lokaler erneuerbarer Energie und damit eine Betriebstankstelle für Brennstoffzellenfahrzeuge beliefern – die Entwicklung eines solchen H2-Versorgungssystems ist das Ziel in h2well-compact.

Zum 1. Juni 2021 startet das Projekt, das durch das BMBF im Rahmen des WIR!-Bündnisses h2-well Wasserstoffquell- und Wertschöpfungsregion Main-Elbe-LINK gefördert und in Apolda umgesetzt wird. Die Kreisstadt des Weimarer Lands soll Vorbild werden für Orte mit ähnlichen Voraussetzungen für die lokale, dezentrale Wasserstofferzeugung und -Einbringung in die Mobilität.

Wasserstofferzeugung unter den spezifischen Bedingungen kleiner Erneuerbarer-Energieanlagen

Die PEM-Elektrolyse, bei der auf Basis einer Protonen-Austausch-Membran (engl. PEM abgekürzt) Wasser mittels Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird, ist ein zentrales technologische Verfahren zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Erneuerbare Energien können auf diese Weise in H2 umgewandelt und gespeichert werden. Ein Ziel in h2well-compact ist es, einen PEM-Druckelektrolyseur auf die besonderen Bedingungen von kleinen Erneuerbare-Energie-Anlagen anzupassen. Am Beispiel der Apoldaer Kleinwasserkraftanlage sollen hierfür Ansätze zur Systemdimensionierung von Elektrolyseanlagen im Zusammenspiel mit fluktuierender Energie aus erneuerbaren Quellen entwickelt werden.

Reiner Wasserstoff für einen neu entwickelten Typus der H2-Betriebstankstelle

Erprobt wird in diesem Zuge auch ein neues membranbasiertes System zur Nutzwasser- und H2-Gasaufbereitung. Für den Einsatz in Brennstoffzellenfahrzeugen muss Wasserstoff nämlich einen hohen Grad an Reinheit aufweisen. Schließlich ist es vorgesehen den treibhausgasneutral erzeugten Wasserstoff an eine neuartige Betriebstankstelle zu liefern, deren Prototyp in h2well-compact entwickelt wird. An dieser sollen Brennstoffzellenfahrzeuge in Zukunft günstiger tanken können. Denn dank einer Hochdruckspeicher-Kaskade können die Tanks der Fahrzeuge per Überströmen befüllt werden, ohne dass ein vor Ort installierter Verdichter nötig wäre – ein signifikanter Kostenpunkt bei konventionellen H2-Tankstellen.

Mobile Speicherung und Verdichtung für die flexible Wasserstoffauslieferung

Für die Auslieferung des Wasserstoffs konzipieren die Projektpartner eine mobile Speicherlösung, die über einen on-board-Verdichter verfügt, um die Hochdruckspeicher an der Tankstelle zu befüllen. Mit dieser flexiblen Lösung sollen perspektivisch verschiedene Abnehmer, zum Beispiel auch Industrieunternehmen, mit Wasserstoff beliefert werden. Denn die dem Projekt zugrundeliegende Vision ist es, ein grünes Wasserstoffversorgungskonzept mit kurzen und flexiblen Logistikketten zu entwickeln, von dem mehrere Infrastruktur- und Wirtschaftsbereiche profitieren können.
Eine Pop-Up-Ausstellung mit anschaulichen Exponaten zur Wasserelektrolyse und Brennstoffzellentechnologie soll dafür sorgen, dass sich Interessierte aus Apolda und Umgebung selbst ein Bild von den in h2well-compact entwickelten H2-Innovationen machen können.  

An dem Vorhaben sind neben der Professur Energiesysteme der Bauhaus-Universität Weimar, die das Projekt koordiniert, die WIR!-Bündnispartner AVX/KUMATEC Hydrogen GmbH & Co. KG, Energieversorgung Apolda GmbH, Fraunhofer IKTS Hermsdorf, Höschel & Baumann Elektro GmbH, Imaginata e.V., IMG Electronic & Power Systems GmbH, MAXIMATOR GmbH und Rießner-Gase GmbH beteiligt. Assoziierte Partner sind die Stadt Apolda, die eurocylinder systems AG und das EnviroConsult Ingenieurbüro.

17. Mai 2021 - Vier Fragen an Dr. Joachim Löffler, Vorsitzender der AVX/KUMATEC Hydrogen GmbH & Co. KG

 

Herr Dr. Löffler gehört zu den Initiatoren des WIR!-Bündnisses h2-well, das im Rahmen des BMBF-Programms „Wandel durch Innovation in der Region“ gefördert wird. Dr. Löffler ist Geschäftsführer der AVX/KUMATEC Sondermaschinenbau & Kunststoffverarbeitung GmbH und Gründer der AVX/KUMATEC Hydrogen GmbH & Co. KG in Neuhaus-Schierschnitz.

h2well: Herr Dr. Löffler, Sie haben h2-well mit aus der Taufe gehoben und hatten wesentlichen Anteil am Aufbau des Netzwerks aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Main-Elbe Gebiet. Worin sehen Sie die besonderen Stärken der Region bezüglich des Aufbaus einer dezentralen Wasserstoffwirtschaft?

Dr. Joachim Löffler: Die Wasserstofftechnologie ist eine der Schlüsseltechnologien bei der Bekämpfung des Klimawandels. In unserer Bündnisregion ist das seit Langem bekannt. Seit mehr als 10 Jahren sind die in h2-well versammelten Partner in der Wasserstoffwirtschaft aktiv. Es hat sich ein Netzwerk entwickelt, in dem eine Vielzahl von Akteuren eingebunden ist. Kleine und mittelständische Unternehmen und Forschungseinrichtungen gleichermaßen wie Kommunen und lokale Bildungseinrichtungen. Wasserstoff ist kein neues Thema für die Region. Durch die Medien sind die Bürger über die regionalen Wasserstoffaktivitäten informiert, die auf eine breite Akzeptanz stoßen. Und auch von Seiten der Politik ist ein großes Interesse und viel Unterstützung zu verzeichnen. Insbesondere von der Thüringer Landesregierung. Alle demokratischen Parteien sind bereit, die Wasserstoffwirtschaft in der Region zu fördern. Nicht zuletzt, weil der Strukturwandel die mittelständisch geprägten Unternehmen, allen voran die Automobilzulieferer, vor großen Herausforderungen stellt. Die H2-Technologie bietet optimale Voraussetzungen dem Strukturwandel zu begegnen und eine win-win-Situation auf allen Ebenen, für Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft zu schaffen.

Im Jahr 1991 haben Sie die KUMATEC Sondermaschinenbau & Kunststoffverarbeitung gegründet, die vor allem Komponenten für die Automatisierungstechnik liefert. Wie kamen Sie dazu, mit der Herstellung von Elektrolyseuren auf ein völlig neues Feld, nämlich die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, zu setzen?

Die Kumatec verfügt über langjähriges Know-How im Automatisierungsbereich und dem Maschinenbau. Für mich als Unternehmer war immer das Ziel, dieses Know-How zu nutzen, um eigene Produkte zu entwickeln, statt eine verlängerte Werkbank als Zulieferer zu sein. Für die Solarindustrie haben wir z. B. eigene Sonderkomponenten entwickelt und pantentiert, die zum Teil bis heute verkauft werden. Doch die Erzeugung von erneuerbarer Strom allein reicht nicht aus; bei fluktuierenden Energien, wie Solar- und Windkraft, muss man sich auch Gedanken über die Speicherung machen. Bei der Suche nach einem geeigneten Energiespeicher sind wir schnell auf Wasserstoff gekommen. Und für die technische Umwandlung von Strom und Wasser in H2 braucht es eben einen Elektrolyseur. So haben wir vor ca. 12 Jahren mit der Entwicklung von Elektrolyseuren begonnen. Und jetzt ist der Schritt zur Kommerzialisierung gemacht, seit den letzten ein bis zwei Jahren verkaufen wir Elektrolyseure.

Jüngst ist das erste h2-well Umsetzungsvorhaben „PEM4Heat“ in Sonneberg gestartet, in dem die AVX KUMATEC Hydrogen GmbH & Co. KG für die Konsortialleitung verantwortlich ist. Welche Akzente setzt das Vorhaben für den in h2-well forcierten „Wandel durch Innovation in der Region“?

Im Rahmen von PEM4Heat soll ein Schaufenster für Wasserstoff im Sonneberger Rathaus entstehen, das die Bevölkerung zum Entdecken der Technologie einlädt. Im Schaufenster werden die in PEM4Heat entwickelten Innovationen präsentiert, unter anderem ein 300 bar Elektrolyseur, der Wasserstoff schon im Zuge der Erzeugung auf einen Ausgangsdruck von 300 bar bringt und einem Mikro-BHKW mit Wasserstoff-Sauerstoff-Kreislaufmotor und einer Brennstoffzellenheizung zuführt. Zudem werden in PEM4Heat neue Membran-Technologien für die Wasserstoffverdichtung erprobt. Signifikanter Bestandteil des Projekts, neben diesen Einzelinnovationen, ist die Beteiligung der Sonneberger Berufsschule, die neue Module zur Wasserstofftechnologie für die Mechatroniker-Ausbildung konzipiert und in Zukunft das Ausbildungsprofil H2-Techniker etablieren will. Das ist enorm wichtig, denn wir brauchen Fachkräfte mit H2 Know-How. Über das jüngst gegründete HySON-Institut für angewandte Wasserstoffforschung in Sonneberg sind eine Reihe weiterer Akteure angeschlossen, die wie das Konsortium in PEM4Heat das Ziel verfolgen, Wasserstoff für dezentrale Anwendungen zugänglich zu machen. Darin liegt auch die Chance für die kleinen und mittelständischen Industriebetriebe in der Region, Produkte für die dezentrale Wasserstoffwirtschaft herzustellen.

Die Elektrolyse ist zwar technisch ausgereift, aber die Skalierung im industriellen Maßstab und die kosteneffiziente Herstellung sind noch Hürden, die es zu lösen gilt. Inwiefern kann die in den h2-well Umsetzungsvorhaben vorangetriebene Weiterentwicklung der PEM-Elektrolyse hierzu beitragen?

In der Tat ist die Elektrolyse als Prozess technisch ausgereift, es gibt aber immer noch Ansätze zur Optimierung der Elektrolyse-Anlagen, wie zum Beispiel der Einsatz neuer beständigerer Materialien oder, wie in PEM4Heat verfolgt, die Erhöhung des Ausgangsdrucks. Aber vor allem wichtig ist, dass jetzt die Hürde der Skalierung und Industrialisierung genommen wird. Industrialisieren heißt hier weg vom Prototyp- und Labormaßstab hin zur industriellen Herstellung mit vollautomatischen Verfahren zu kommen. Für Elektrolyseure muss ein automatisierungsgerechtes Konstruktionsdesign entwickelt werden, das die Herstellung in großen Stückzahlen in industriellen Fertigungsanlagen erlaubt. Hierin muss investiert werden. Die Materialkosten für die Elektrolysekomponenten sind zwar ein wichtiger Kostenfaktor. Industrielle Fertigungslinien aufzubauen ist aber einer der Schlüssel, um die Wasserstofftechnologie wettbewerbsfähig auf dem Markt zu etablieren. Das ist nicht unmöglich, wenn man bedenkt, was die Herstellung von Solarzellen einst gekostet hat und wo der Preis heute liegt. Und auch das erste Automobil lief nicht bei Ford vom Band, sondern wurde von Gottlieb Daimler in einer Werkstatt konstruiert und gebaut.

Aktiv im Netzwerk H2-Well – Wir sind dabei!

Kläranlagen – Der ideale Infrastrukturspender für Wasserstofftechnologien

„Die Wasserstoffwirtschaft kann einen signifikanten Beitrag dazu leisten, Stromnetze zu stabilisieren. Dies ist im Rahmen der Energiewende sehr wünschenswert und wir können neben dem Wasserstoff auch den bei der Elektrolyse entstehenden Sauerstoff auf Kläranlagen nutzen. Die Reinsauerstoffnutzung lässt sich problemlos nachrüsten. Der Betrieb ist relativ komplikationslos, die Reinigungswerte sind besser als bei einer konventionellen Kläranlage und die Betriebssicherheit ist sehr hoch. Insgesamt sind Kläranlagen hervorragende Infrastrukturspender für die Wasserstoffwirtschaft.“

Bernd Hubner,
Wasserwerke Sonneberg, Werkleiter

Die Druckelektrolyse – Wasserstofferzeugung aus erneuerbarem Strom

„Das Prinzip der Wasserelektrolyse ist seit beinahe 200 Jahren bekannt. Das besondere an unserer Umsetzung dieses Verfahrens ist der hohe Druck. Wir produzieren Wasserstoff und Sauerstoff mit einem Systemdruck von 100 bar. Das wirkt sich positiv auf den Wirkungsgrad aus und wir haben ein Ausgangsdruckniveau, welches aus technischer und kaufmännischer Sicht vorteilhaft für die nachgeschalteten Komponenten, wie z.B. Zwischenspeicher oder Verdichter, ist.“

Uwe Eckardt,
AVX/Kumatec Hydrogen GmbH & Co. KG, Leiter Entwicklung

Sonneberg steht bereit, um Wasserstofftechnologien umzusetzen

„Die Potentiale sind in unsere Menschen. Es gibt hier kaum jemanden, der Entscheidungsträger ist und nicht davon überzeugt wäre, dass dem Wasserstoff die Zukunft gehört. Sonneberg ist eine technologieaffine Region - wir wollen Wasserstofftechnologien, die es so noch nicht gibt, erproben. Ich denke wir sind auf dem besten Weg und haben die besten Voraussetzungen. Wir stehen als Modellregion bereit.“

Dr. Heiko Voigt,
Bürgermeister der Stadt Sonneberg

Der Wasserstoff-Kreislaufmotor – Außer Wasser keine Emissionen

"Der von uns entwickelte Wasserstoff-Kreislaufmotor hat zwei wesentliche Innovationen. Das eine ist die Wasserstoffdirekteinblasung und das andere ist die Sauerstoffzuführung. Die Sauerstoffzuführung benötigen wir, um den Kreislauf abbilden zu können. Wir führen dem Motor Wasserstoff und Sauerstoff zu, welche dann im Motor zu reinem Wasser umgesetzt werden. Dieses Wasser ist das einzige Verbrennungsendprodukt, das der Motor in die Umwelt entlässt. Der Wasserstoff-Kreislaufmotor ist prädestiniert für den Einsatz in der Power-to-Gas-Technologie. Im Vergleich zur Brennstoffzelle hat er den Vorteil, dass er sehr geringe spezifische Kosten hat und auch für höhere Leistungen leicht zu skalieren ist.“

Manuel Cech,
WTZ Roßlau gGmbH, technischer Projektleiter

Vorträge

Die Arbeit des Bündnisses H2-Well wird dem Fachpublikum und der Öffentlichkeit auf regionalen und überregionalen Veranstaltungen präsentiert:

05.11.2020 – Digitaler ThEEN-Innovationsdialog 2020

20.11.2019 – 8. Regionale Energiekonferenz Südwestthüringen, IHK Südthüringen, Suhl

22.10.2019 – Thüringer ClusterManagement der LEG Thüringen / H2-Well, Workshop Wasserstoff: Chancen und Ansätze für eine zukünftig nachhaltige und wirtschaftliche Nutzung, comcenter Brühl, Erfurt

24.06.2019 – TÜV Thüringen, Thüringer Innovationsforum Wasserstoff, Arnstadt

27.11.2018 – InnoCON Thüringen: RIS3 Jahresveranstaltung, Arena Erfurt

27.11.2018 – RIS3 Arbeitskreissitzung „Nachhaltige Energie und Ressourcenverwendung“, Arena Erfurt

15.11.2018 – 7. ThEGA-Forum: Energiewende – jetzt erst recht!, Arena Erfurt

25.10.2018 – Energy Solutions, Institut für Angewandte Bauforschung, Weimar

12.09.2018 – H2-Well und die Region Coburg, Kongresshaus Rosengarten, Coburg

31.08.2018 – H2-Well Gruppenworkshop, Hotel am Schloß, Apolda

29.06.2018 – Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) Sommerexkursion, Rathaus Sonneberg

15.06.2018 – RIS3 Arbeitskreissitzung „Nachhaltige und intelligente Mobilität und Logistik“, KNV Logistik GmbH, Erfurt

24.05.2018 – RIS3 Arbeitskreissitzung „Nachhaltige Energie und Ressourcenverwendung“, Institut für Angewandte Bauforschung, Weimar

17.05.2018 – Auftakt H2-Well: Wasserstoffquell- und Wertschöpfungsregion Main-Elbe-LINK, Schloßberghotel, Sonneberg

20.02.2018 – HYPOS-Dialog „Wasserstoff in der Anwendung“, Leipziger KUBUS, Leipzig

Die koordinierenden Bündnispartner

SolarInput e.V.
Dr. rer. oec. Sabine Schmidt
Gustav-Tauschek-Straße 2, 99099 Erfurt

KUMATEC Hydrogen GmbH & Co. KG
Dr.-Ing. Joachim Löffler
Industriestraße 14, 96524 Neuhaus-Schierschnitz

Bauhaus-Universität Weimar
Prof. Dr. Mark Jentsch
Schwanseestr. 1a, 99423 Weimar

Wir suchen den Austausch mit Akteuren aus allen gesellschaftlichen Bereichen der Wirtschaft, Forschung und Entwicklung, kommunalen Infrastruktur, Bildung, Politik und Kultur, um gemeinsam mit uns die Wasserstoffregion H2-Well zu entwickeln und zu gestalten.